Montag, 15. Januar 2018

"Die Kunst, sich selbst auszuhalten"

Dies ist der Titel des kleinen Büchleins, das mich seit heute Morgen beschäftigt. Der Untertitel lautet: Ein Weg zur inneren Freiheit. Geschrieben ist das Büchlein von Michael Bordt. Er ist Jesuit und Philosoph, lehrt an der Hochschule für Philosophie in München und bietet Workshops für Führungskräfte an.
Ich liebe es, wenn mir jemand beim Denken hilft, wenn mir ein Buch in die Hände fällt, in dem ich Gedanken finde, die zu denen passen, die ich selbst denke. Es macht mir Freude, wenn die gelesenen Gedanken meine eigenen neu ordnen, sie genauer machen, sie womöglich sogar zerstören.
Ich bin nicht mit dem, was ich denke, identifiziert. Von daher erlebe ich es auch nicht als schmerzhaft, wenn meine Gedanken zerstört werden, oder anders ausgedrückt: widerlegt oder auseinandergenommen werden. Im Gegenteil. Es kann mich erfreuen, wenn ich sehe, dass das, was ich bisher gedacht habe, zu kurz und nicht zu Ende gedacht war und die für mich neuen Gedanken viel genauer sind, klarer und weitsichtiger, vielleicht auch einsichtiger.
So geht es mir mit dem Büchlein von heute. Ein schöner Tag mit solch einem Leseerlebnis...



Freitag, 5. Januar 2018


Morgens...

... wenn mir nichts weh tut, wenn ich keinen Druck spüre, weder körperlich noch seelisch noch geistig, wenn ich Lust auf den Tag habe, wenn ich mich auf das freue, was im Terminkalender steht, wenn ich mich freue, dass überhaupt etwas im Terminkalender steht, wenn sich meine Gedanken um Neues drehen, um Ideen und Pläne und Möglichkeiten, und wenn diese Ideen verbunden sind mit dem, an dem ich arbeite, wenn sie nicht losgelöst und schwärmerisch sind, sondern konkret und angebunden an das, was ich kann und will, dann ist das ein Morgen, an dem ich glücklich bin. So wie heute.

Montag, 1. Januar 2018

2018

Ich freue mich auf das neue Jahr.
Bei alten Leuten ist es nicht selbstverständlich, dass sie sich auf das neue Jahr freuen. Schließlich könnte es ihr letztes sein. Oder es könnte dieses oder jenes passieren....
Klar, kann man sich ausmalen, was alles passieren kann, wenn man über 70 ist. Es ist ganz einfach, sich Sachen vorzustellen, die etwas mit der eigenen Vergänglichkeit und mit Verlusten und Einschränkungen zu tun haben. Die Welt ist voll mit Meldungen über Krankheiten und Unfälle und Schicksalsschläge. Klar kann immer etwas passieren, was man sich nicht gewünscht hat, was man nicht will, was einen verletzt, traurig macht, ärgert. Aber warum sollte man es sich ausmalen und vorstellen, bevor es passiert ist?
Ich glaube an die Kraft der Vorstellung, und ich glaube auch, dass es gut ist, die Vorstellungskraft zu nutzen, um seine Ziele zu erreichen, um seine Wünsche zu erfüllen und um seine Aufgaben zu erledigen, so gut wie man kann.
Oft aber haben alte Leute keine Ziele und oft auch keine Aufgaben mehr. Wer es gewohnt war, dass Ziele und Aufgaben sich durch den Beruf und die Familienentwicklungen ergeben haben, wird sich im Alter, wenn beides vorüber ist, schwer tun. Und noch was: Je älter wir werden, umso weniger traut man uns etwas zu.
Der springende Punkt ist die Frage, was wir uns selbst zutrauen.
Ich traue mir von Jahr zu Jahr mehr zu. Das ist natürlich paradox, denn früher hätte ich viel mehr Kraft zur Verfügung gehabt, die Aufgaben zu erledigen, die ich mir heute stelle. Aber früher hatte ich nicht genug Selbstvertrauen und hätte mir das alles, was ich mir heute zutraue, gar nicht erst ausdenken können. 
Für 2018 habe ich mir einiges ausgedacht: Ich will dieses und jenes erreichen. Ich habe mir das eine und andere vorgenommen. Ich arbeite daran. Täglich. Ich lese und schreibe. Ich mache weiterhin Interviews. Ich denke nach und recherchiere. Ich habe Termine für Workshops, die ich besuche und für Workshops, die ich gebe. Ich freue mich auf alles, was ich 2018 dazulernen kann. Ich freue mich, noch da zu sein und die Chance zu haben, mich weiterzuentwickeln. 

Samstag, 23. Dezember 2017

alt ist nicht gleich alt ist nicht gleich alt...

Wer bestimmt, wer wann alt ist?
Klar, niemand würde derzeit bestreiten, ein Mann, der 80 Jahre alt ist, sei nicht alt.
Aber wie lange wird es noch dauern, bis man über einen 80jährigen nicht auch sagen wird, so wie derzeit über viele 70jährige, sie seien doch noch nicht alt.
Die Zeichen für alt und damit auch die Bezeichnung und die Zuschreibung "alt" verschieben sich immer mehr nach hinten. Wir wissen alle, womit das zu tun hat: wir sind heute länger fit und sehen jünger aus und machen Sachen, die früher Alte niemals gemacht hätten. Aber sind wir deshalb automatisch nicht alt?
Als ich vor 11 Jahren anfing, "alt" als Wort auf mich selbst anzuwenden, mir selbst die Zuschreibung "alt" gab, obwohl ich kaum Zeichen hatte, die mich alt aussehen ließen, (außer den grauen Haaren) dachte ich, das sei hilfreich, um mich im Thema Alter, Altwerden und Altsein zurechtzufinden.
Ich wollte dazugehören zu denen, über die ich schrieb. Ich wollte nicht "über" Alte schreiben, sondern selbst alt sein. Ich dachte, mit 60 kann ich es wagen, mich als alt zu bezeichnen, ohne mich lächerlich zu machen. Ich habe viel Gegenwind bekommen damals. Die Älteren warfen mir vor, mich älter zu machen als ich bin. Und die Gleichaltrigen legten Wert darauf, noch jung zu sein und lehnten das Wort "alt" für sich ab.
Ich habe mich falsch verstanden gefühlt, und das hat hat mich motiviert, dranzubleiben am Thema... bis heute.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Over sixty only

Über eine Kunstgalerie in New York, die nur Künstler und Künstlerinnen ausstellt, die älter sind als 60.
Hier gehts zum Artikel.



Mittwoch, 6. Dezember 2017

Gedanken am Morgen....

... was bedeutet es eigentlich wirklich, dass wir immer älter und älter und älter werden? Klar, Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten daran, den Alternsprozess zu steuern und ihn zu verzögern und zu verlängern. Rein wissenschaftlich gesehen eine Herausforderung, das ist klar.
Aber was heißt das für uns, für mich, für meine Freunde und Freundinnen?
Was sollen wir mit all den Jahren machen, in denen wir langsam und immer langsamer alt und älter werden? Wie verbringen wir die viele Zeit als ältere Frau und älterer Mann? Womit beschäftigen wir uns? Was wollen wir? Wollen wir überhaupt noch was?
Ich glaube, dass wir am besten alles vergessen sollten, was wir jemals über Leben im Alter gedacht haben und anfangen sollten, kreativ und ganz neu darüber nachzudenken, wie wir im Alter leben wollen und was wir mit unseren Leben anstellen wollen.
Einfach weitermachen wie bisher? Einfach die Grenzen nach hinten verschieben und mit 70 so leben wie mit 50?
Viele von uns verändern nichts, gar nichts. Sie leben drauflos und überlassen die Veränderungen dem, was passieren wird. Biologisch und physisch verändert sich ja was, wenn auch langsamer als früher oder zeitlich versetzt. Aber was verändert sich geistig und seelisch? Darüber wird nicht gesprochen, das scheint kein Thema zu sein, wie wenn die vielen Jahre Leben darauf keine Auswirkungen hätten.
Meine These ist, wir reden nicht darüber weil wir nicht wissen, WIE wir darüber reden sollen. Uns fehlen die richtigen Worte, uns fehlt der Bezug, uns fehlt aber auch das Interesse daran. aus unserem Inneren, unserm Innenleben im Alter zu berichten. Wozu soll das gut sein? Wen interessiert das?
Meine Erfahrung ist, dass innen, also in unserem Innenleben, überhaupt kein Alternsprozess stattfindet, sondern Entwicklung und Veränderung. Oder auch nicht. Und um das, was innen passiert, zu beschreiben, nutzen uns die Worte "alt" oder "älter" gar nichts, denn sie sagen nichts aus, sie sind inhaltslos.

Sonntag, 3. Dezember 2017